Bibliothek mit bewerteten Bildern in Adobe Lightroom

Wie Du das Bilder suchen in Lightroom in den Griff bekommst

Puh. Ich bin geschafft. Nicht nur, dass mich eine hartnäckige Erkältung plagt – Ich habe das letzte Wochenende dafür genutzt, Ordnung in meine Lightroom-Bibliothek zu bringen. Mehr als 5.000 Bilder wurden in Lightroom verschlagwortet und zusätzlich mit einer Sterne-Bewertung versehen. Mit Hilfe von Smart-Sammlungen und den Stichwortfunktionen.

Als Rückblick mit Ausblick und Einblick in meine Vorgehensweise starte ich dazu nun einfach eine lockere Artikelserie. In diesem ersten Beitrag dreht sich alles um mein persönliches Dilemma mit Belegfotos,das Finden und das Bewerten.

Warum Fotos verwalten und Bilder sortieren?

Du kennst es doch bestimmt auch: Um ja nicht das beste Bild zu verpassen steht Deine Kamera im Serienbildmodus, Deine Speicherkarte giert nach Input – Du hast sie im Laden mit 32 Gigabyte eh groß gewählt – und Dein Objekt der Begierde taucht auf. Zur richtigen Einstellung bedarf es jetzt nur noch des Auslösens. Also haust Du den Finger auf den Auslöser und drückst ihn runter. Vielleicht nimmst Du auch wie ich noch den Daumen dazu, weil Du per Back-Button-Focus arbeitest. Aber das Ergebnis ist dasselbe: Klickklickklickklickklickklick!!! Die Serienbildfunktion rattert wie ein Maschinengewehr. Moderne DSLRs ab dem mittleren Preissegment schießen mit entsprechend hohen Intervallen. Mitten im Feld hast Du die Kapazität der Karte eh nicht im Blick.

Ein anderes Szenario – auch mitten in der Natur: Das erste Mal ein Weißstorch vor Deiner Linse. Zwar sehr hoch aber er ist da. Und – Klick! – nun auch auf Deiner Speicherkarte. Eine Trophäe die Du mit ein wenig Stolz und dem kleinen Forscher in Dir schulterklopfend mit nach Hause nimmst.

Die Konsequenz: Volle Speicherkarten mit Motiven, die sich in hoher Anzahl ähneln oder gar identisch sind. Und ein Weißstorch der zwar ein Weißstorch ist, aber eigentlich aus fotografischer Sicht eher in die Kategorie „Grottenqualität“ gehört. Ein Belegfoto halt. Und bei dem Einen bleibt es nicht. Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf, wenn Du dann noch Belegfotos in Serie erstellst. In der Hoffnung, das doch eines der Bilder einen Hauch besser als das andere ist.

Beleg für Belegbilder: Weißstorch en Masse. Und in schlechter Qualität
Beleg für Belegbilder: Weißstorch en Masse. Und in schlechter Qualität

Fotos finden statt Bilder suchen

Ja. Ihr wisst wahrscheinlich wie ich: Das ist Quatsch. Ein Beleg ist nur ein Beleg und man muss nicht jedes gemachte Foto aufheben. Aber: Die Speicherkarte wandert zu Hause in den Rechner, das ein oder andere Bild wird schnell entwickelt und in den Blog gestellt oder bei Facebook gepostet. Und der Rest gammelt nach dem Import in Lightroom auf der eigenen Festplatte. Wie leere Patronenhülsen aus dem Maschinengewehr fallen, landen unendlich viele Bilder im Lightroom-Katalog. Viele schlicht unbrauchbar, manche etwas besser, und vereinzelt darunter: Die guten, die Perlen. Wie auch immer man das für sich definiert.

Aber wo ist das Problem? Dank der Ordner in Lightroom ist alles nach Datum sortiert, und man ist ja nicht doof: Man erinnert sich grob an Bilder, Motive, Aufnahmesituationen und man weiß, wann man sie aufgenommen hat. Ein bisschen Suchen ist doch kein Problem?

DOCH! Suchen ist ein Problem! Zumindest wenn man sich auf sich selbst und sein Erinnerungsvermögen verlässt. Dazu kommt: In der Bibliotheksansicht sind Thumbnails keine Hilfe um Qualität zu beurteilen, und das Mausrad ist kein Ersatz für eine vernünftige Stichwortsuche. Wenn ich etwas suche, dann primär deshalb, um etwas zu finden. Und das was ich finde, das sollte sich lohnen gefunden zu werden. Sei es, weil ich ein Bild für einen Blogartikel benötige, bei Facebook posten will, oder ein Best-Of einer bestimmten Kategorie erstellen möchte. Und ich glaube, Du möchtet auch lieber finden, statt zu suchen?

Die guten ins Töpfchen – die schlechten auch

Sicher wirst Du Dir jetzt denken: „Dann schmeiß doch die ganzen unbrauchbaren Belege weg!“. Tja. Richtig. Könnte ich. Aber irgendwie auch nicht. Denn das hält mich auf. Das Dilemma ist kurz umschrieben: Die Entscheidung welches Bild einer Serie besser ist als welches andere lähmt mich. Vor lauter zu treffenden Entscheidungen entscheide ich dann lieber gar nicht, und deshalb mache ich es mir einfach und behalte mehr oder weniger alle Bilder.

Zusammengefasst heißt das:

  1. Alle Belege werden gesichert
  2. Belege werden nicht verglichen und aussortiert
  3. Belegserien werden optional als Stapel zusammengefasst

Das bedeutet: Wo Du möglicherweise im ersten Schritt schon nicht gelungene Bilder entfernst schaue ich allerhöchstens danach, ob Bilder einen Schärfepunkt haben oder das eigentliche Motiv indiskutable Bildstörungen hat.

Um Ordnung in die Bilderflut zu bringen bedarf es dann nur der richtigen Sortierungs-Strategie. Lightroom bietet dafür die Bewertung in Sternen an, und filtert mit Hilfe von Smart-Sammlungen relevante Fotos aus. So wie ich es benötige. Die intelligenten Smart-Sammlungen führen eine Live-Suche anhand bestimmter Filterkriterien durch. Pro Sterne-Bewertung kann so eine eigene Sammlung erstellt werden, die automatisch immer alle Bilder des jeweiligen Bewertungsranges enthält. Schauen wir mal, wie ich das gemacht habe:

Smart-Sammlungen nutzen. Bilder bewerten.

Schritt eins war, eine Smart-Sammlung anzulegen, die alle null-Sterne-Bilder anzeigt. Später sind das meine Belegbilder. Nach Anlage der Sammlung finden sich dort aber erstmal alle Bilder wieder, denn in der Vergangenheit habe ich ja noch nie eine Bewertung vorgenommen.

In Schritt zwei erstellt man sich eine weitere Smart-Sammlung. Nämlich eine, die alle ein-Sterne-Bilder zeigt. In Schritt drei wechselt man dann wieder in die Sammlung, die alle null-Sterne-Bilder enthält und vergibt allen Bildern, die zukünftig nicht bloß als Belegbild dienen sollen einen Stern.

Mein Smart-Sammlungs-Konzept zur Bildbewertung in Adobe Lightroom
Mein Smart-Sammlungs-Konzept zur Bildbewertung in Adobe Lightroom

Und nun wiederholt sich das Ganze für jeden Bewertungsschritt. Man legt eine Sammlung für die nöchst höhere Bewertungszahl an, schaut alle Bilder durch und setzt die nächsthöhere Sternebewertung, statt alle Bilder unterschiedlich – mal mit zwei, mal mit vier oder mal nur mit einem Stern zu bewerten. So filtert man nach und nach die guten Bilder immer mehr heraus. Die führende Fragestellung lautet: „Ist das Bild was ich gerade sehe es wert, einen weiteren Stern zu erhalten?“

Zusammengefasst heißt das:

  1. Pro Bewertungsrang gibt es eine Smart-Sammlung
  2. Es werden alle Bilder einer Sammlung betrachtet
  3. Pro Bewertungsschritt wird nur die nächsthöhere Bewertung vergeben

Dieses Filter-Verfahren halte ich für wesentlich einfacher, als einen großen Haufen Bilder direkt mit einer endgültigen Bewertung zu versehen. Ein weiterer Vorteil an dieser Vorgehensweise ist, dass sich die letzte Kategorie automatisch ergibt – irgendwann ist kein Bild mehr „besser“ als das andere. Wieviel Bewertungsränge so letztlich entstehen hängt natürlich von Anzahl der Bilder, unterschiedlichen Qualitäten, und Deinem persönlichen Gusto ab, aber das Prinzip ist immer das gleiche. Ich bin bei meinen Bildern vorerst bis zu vier Sterne Bildern gekommen, habe also noch die Chance Knallerbilder zu produzieren 😀

Fazit, Fragen und Du

Was bleibt am Ende dieses Beitrages? Der Versuch eines Fazits folgt stichpunktartig:

  1. Ich schreibe in diesem Beitrag von „nur“ 5.000 Bildern. Die machst Du vielleicht in wenigen Tagen und solltest deshalb frühzeitig Gedanken an Bewertungen als Teil Deiner Bildorganisation verschwenden. Jeder Tag ohne Organisation erhöht den Arbeitsaufwand im Nachhinein.
  2. Lightroom hat mit den Smart-Sammlungen und der Sterne-Bewertung ein wirklich einfaches aber sehr praktisches Mittel an Bord. Weder das Klickklickklickklickklickklick!!! noch Ein Weißstorch! Ein Weißstorch!  muss Dir Zukunftsangst bereiten.
  3. Reichen vier Kategorien aus? werde ich jemals eine fünfte benötigen? Fasse ich vielleicht zukünftig zwei „mittlere“ Ränge zusammen? Ich betrachte die Sortierung mittels Sterne-Bewertung als lebendes Element. Und Du?
  4. Und praktisch: Ganz sicher helfen wird mir die Bewertung zukünftig dann, wenn ich wieder einen Jahresrückblick erstelle, und ich meine Top-10-Fotos nicht wie für 2015 manuell auswählen muss

Damit soll es das gewesen sein mit dem ersten Beitrag der Serie. Hast Du auch ein Bilderchaos? Oder einen Bewertungmarathon hinter Dir? Du findest, dass Du es viel besser gelöst hast als ich? Du hast das Gleiche vielleicht auch mit der Adobe Bridge oder einer anderen Katalogsoftware hinter Dir? Belege im Katalog zu pflegen findest Du bescheuert?

Dann hinterlasse mir und allen anderen Lesern Deinen Kommentar. Vielleicht nur nicht unbedingt schon zur Verschlagwortung, denn meine Vorgehensweise zur Stichwortvergabe beschreibe ich im nächsten Beitrag, den ich hier verlinke. Und wenn Du darüber automatisch benachrichtigt werden willst, abonnierst Du jetzt einfach den E-Mail-Newsletter.

Zu Teil 2 (Wie Du mit Schlagworten die Bildersuche in Lightroom optimierst)

2 Kommentare zu “Wie Du das Bilder suchen in Lightroom in den Griff bekommst

  1. Das komplette Verschlagworten steht mir auch noch bevor. Habe das nie so ernsthaft betrieben und das rächt sich natürlich irgendwann, wenn man etwas Spezielles sucht…macht halt eine Riesenarbeit…
    LG Nora

    • Ja, deswegen ist die Devise: So früh damit anfangen, wie möglich. Bei sehr vielen Bildern hilft vielleicht auch erstmal eine sehr grobe Einteilung. Wenn man dann noch in qualitativ hochwertige und eher Belegbilder einteilt, kann eine Strategie auch sein, erst die hochwertigen detaillierter zu vertaggen. Zum Taggen wird es aber nochmal einen separaten Beitrag geben.

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