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Rieselfelder Windel – Artenreiches Naturschutzgebiet in Bielefeld

Mit Rieselfelder Windel sind die meisten Beiträge im Blog kategorisiert. Ein guter Grund, das Naturschutzgebiet zwischen Bielefeld und Gütersloh genauer zu beschreiben.

Hervorgegangen aus einer alten, industriell genutzen Abwasser-Verrieselungsfläche dürfen sich die Flächen seit Anfang 2014 amtlich Naturschutzgebiet nennen. Und das ist auch gut so, denn mit dem Bau des Autobahnabschnittes der A33 Richtung Bielefeld wurde unmissverständlich klar, dass das größte Bielefelder Feuchtgebiet nicht unbedroht ist.

So sehr man die Zeitersparnis Richtung A2 auch genießt, so sehr schmerzt der Anblick der Lärmschutzmauer, die die Schilfflächen in Windelsbleiche mittlerweile vom angrenzenden Naturschutzgebiet Kampeters Kolk trennt.

Aber das soll nicht darüber hinweg täuschen dass man nahe des Ortsteils Senne auch heute noch ein tolles Refugium für viele Tiere und Pflanzen vorfindet. Und um zu fotografieren: Ganz besonders Vögel und Insekten sind es, die immer wieder Grund für einen Ausflug in den Süden Bielefelds sind.

Warum das so ist, ist Einfach zu beantworten: Die Rieselfelder Windel sind Bielefelds größtes Feuchtgebiet. Auch wenn das Bielefelder Naturschutzgebiet überregional doch eher als klein zu bezeichnen ist.

Zentrale Ader durch die Anlage, die aus Teichen, Wiesenlandschaft und großen Schilfröhricht Flächen besteht, ist die Niederheide. Diese kleine Straße ist gleichzeitig auch Zufahrt zur Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld e.V, deren Mitarbeiter sich hervorragend kümmern – auch um die vielen anderen Naturschutzgebiete in Bielefeld und Gütersloh.

Fotografieren in den Rieselfeldern Windel

Die Ergebnisse dieser Pflege kriegt man am ehesten mit, wenn man das Arreal über die beiden vorhandenen Rundwege erkundet. Beide sind über die zentral schneidende Niederheide miteinander verbunden, und können so entweder separat, oder als große Tour nacheinander abgelaufen werden. Aus eigener Erfahrung empfiehlt sich das allerdings nicht.

Statt durch die Landschaft zu hetzen sollte man sich Zeit und Muße nehmen. Das ermöglicht, sich auf Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt einzulassen oder auch mal etwas längere Zeit auf einem der drei Beobachtungstürme zu verweilen.

Bilder machen: Startpunkt Niederheide

Wer die Rieselfelder Windel besucht, der wird in aller Regel von Osten kommend in die Niederheide einbiegen. Egal ob mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß. Hier schaut man nördlich über die beiden Schönungsteiche – die größten Gewässer hier – in Richtung Wald, und in südlicher Richtung über große Wiesen und Schilfröhricht.

Im Frühjahr hat man noch gut Einblick auf den kleinen Froschteich zu Beginn der kleinen Straße. Auf den im Süden gelegenen Wiesen lassen sich auch in aller Regel Heidschnucken beobachten, die ganzjährig als natürlicher Rasenmäher fungieren.

Das Highlight ist aber sicherlich der Beobachtungsturm nahe der Biologischen Station. Von hier hat man gute Sicht in die südliche Wiesenlandschaft des Arreals. Direkt vor dem Turm liegt eine kleine Blänke, an der man gerade über den Frühlingsanfang verschiedene Wasservögel beobachten kann.

Häufig ist in den ersten wärmeren Monaten hier der Waldwasserläufer anzutreffen. Genau wie Bekassinen, fressende Rohrammern, Löffelenten, Lachmöwen oder Kiebitze.

Im Sommer sind entlang der gut asphaltierten und damit auch barrierefreien Route auf den Zäunen, in der Böschung und in der Luft allerlei Libellen (z.B. Mosaikjungfern, Azurjungfern, Vierfleck) zu beobachten. Aber auch Hornissen und weitere Fluginsekten geben ein gutes Fotomotiv ab. Über den großen Schönungsteichen lassen sich Flugaufnahmen an den großen Fischreihern üben. Über die kalten Monate ist dazu oft der ein oder andere Silberreiher anzutreffen.

Wer meint er hat es drauf, darf sein Können dann gerne an den flinken Kormoranen testen. Wenn sie doch zu schnell sind, kann man aber in den späten Abendstunden – wenn die Sonne goldenes Licht wirft – die trägen, sich sonnenden Exemplare fotografieren. Allerdings sind die Tiere relativ weit weg. Ein Teleobjektiv mit hoher Brennweite ist Pflicht!

Das gleiche gilt für die Eisvögel, die am kleinen Schönungsteich von den angelegten Bruthöhlen am anderen Ufer profitieren. Im Sommer sieht man die bunten Fischfresser häufig über die zentralen Schönungsteiche der Rieselfelder Windel hinweg ziehen – ihr Ruf kündigt sie immer an.

Fotografieren im Norden des Gebietes

Der nördliche Rundweg beginnt am kleinen Schönungsteich der Rieselfelder Windel. Biegt man in die Niederheide ein, geht rechts an hohen Pappeln entlang ein kleiner Schotterweg ein. Man geht am linksseitigen kleinen Schönungsteich vorbei, der eigentlich immer von Enten, Graureiher und Blässhühnern bevölkert ist, die bei entsprechendem Sonnenstand immer nette Fotomotive abgeben.

Im Früjahr brüten hier Graugänse auf Ihren Schilf-Inseln – die geführte Brut kann wenige Wochen später (natürlich unter starker Rücksichtnahme) auch abgelichtet werden. Aus der Hocke kriegt man hier mit dem Teleobjektiv schon gute Aufnahmen hin. Den Eisvogel hört man hier auch immer wieder. Die Tiere ziehen gerne quer über den kleinen Schönungsteich. Mit der Kamera gelang mir allerdings von dieser Stelle noch kein geeigneter Schuss.

Wenige Meter weiter folgt dann mit der Reiherbachfurt einer meiner Lieblingsplätze. Rund um die Furt wurde der Reiherbach wunderschön renaturiert. Seicht, langsam und breit „fließend“ und von Schilf gesäumt findet man hier ein hervorragendes Biotop für Rohrammer, Schwarzkehlchen und Wasserralle vor.

Auch wenn man die Wasserrallen der Rieselfelder Windel fast immer nur wie ein Schwein quiekend hört – die genannten Singvögel halten sich hier gerne gut sichtbar und singend im Röhricht auf. Goldammern kann man – nahrungssuchend auf den direkt angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Wiesenflächen – auf wenige Meter beobachten und ablichten.

Geht man den gut begehbaren Weg weiter, kommt man, nachdem der Reiherbach abknickt vorbei an großen, nicht landwirtschaftlich genutzten Wiesenflächen. Unter anderem Bachstelze, Grünspecht und auf den Zaunpfählen balzende Hausrotschwänze sind hier im Früjahr anzutreffen.

Wer in Richtung Wald blickt, kann hier auch nicht selten Dammwild (ich glaube es ist Dammwild – bin da kein Experte) sichten. Der direkt am Weg stehende, nördliche Beobachtungsturm ist leider bis auf weiteres nicht frei zugänglich.

Ein starkes Vorhängeschloss verhindert den Zugang – die Nähe zu den angrenzenden Wohngebieten wird hier deutlich. Der Brandschaden, der ursächlich für die Sperrung des Turmes zu sein scheint ist deutlich zu erkennen.

Lässt man den Turm hinter sich, geht man an Heckenbewuchs (Goldammern suchen!) entlang Richtung Wald. Ehrlich gesagt ist das nicht gerade mein bevorzugter Aufenthaltsort, da es hier zum fotografieren einfach schnell sehr dunkel ist.

Wer mit lichtstarker Optik unterwegs ist, kann hier allerdings auch mal auf einen Schwarzspecht hoffen. Für mich habe ich mich in diesem Abschnitt des Weges bisher auf Spinnen (Sommer) und Pilze (Herbst) konzentriert, da dabei die Belichtungszeit wesentlich höher eingestellt sein darf. Pilze findet man hier im Herbst auch fast im Überfluss.

Dafür ist man dann aber auch schon fast am Ende des nördlichen Rundwegs angelangt. Man hört hier schon die Straße, die einen am großen Schönungsteich entlang zurück zur Niederheide führt.

Ein „Schmankerl“ hält diese Passage aber – zumindest im Winter – bereit: Wer von der Straße aus vorsichtig auf die Anhöhe des großen Schönungsteiches klettert, der hat besten Blick auf die Brutflöße des großen Teiches, auf denen sich ganzjährig Kormorane und im Frühjahr auch Lachmöwen aufhalten.

Zwar ist dafür am Ende der Niederheide zwar extra eine barrierefreie Beobachtungsstation eingerichtet, aber von der Straßenseite ist die Distanz zu den Tieren wesentlich geringer. Das hat fotografisch wortwörtlich weitreichende Konsequenzen.

Bilder machen im Süden

Der Süden der Rieselfelder stellt sich ganz anders dar als der Norden. Beginnt man den Rundweg an der Biologischen Station, so folgt man einem kurzen, Rasen bewachsenen Weg entlang eines stehenden Kleingewässers. Kurz darauf biegt man links in eine weite Schilflandschaft ein, und kann Heckenbraunellen und Teichrohrsänger hören. Gelegentlich läuft einem auch ein Teichfrosch vor die Füße.

Relativ schnell erreicht man sichtbar die Stelle, die das dunkle Kapitel „Autobahnausbau“ sichtbar werden lässt. Die Lärmschutzwand des neuen Abschnitt der Autobahn A33, der hier die das Gebiet direkt tangiert und auf dem Rundweg ein wunder Punkt für jeden Naturliebhaber ist.

Lange aufhalten mag ich mich persönlich nicht. Einfach weil der Lärm nervt. Dennoch lassen sich trotz Verkehr und Betongrenze Bilder von Schmetterlingen, Libellen und Pflanzen machen. Diese scheinen das karge, steinige und wärmeabgebende Milieu was die Landschaft hier prägt, mehr zu mögen als ich.

Die Lärmschutzwand der Autobahn A33.

Aber mit jedem Meter den man macht, verbessert sich die Lage. Die Landschaft zeigt wieder ein schöneres Gesicht. Der Weg verjüngt sich und wird mehr und mehr eingefasst von Dornenbüschen und kleineren Pflanzen, die eine Böschung bilden. Ein Makro ist hier angebracht. Auf Grund der schattigen Lage auch gerne eines mit entsprechend Lichtstärke.

Dieser Weg-Abschnitt ist in meiner Wahrnehmung mit der ruhigste des gesamten Rundweg-Vorrats. Selbst am Ostersonntag war hier kein starker Besucherverkehr zu spüren.

Dieser wird aber auf halber Strecke des südlichen Rundwegs wieder stärker. Man geht nämlich an „der Zivilisation“ entlang. Zwischen offenen Graswiesen auf der linken sowie Hecken und der dahinter befindlichen Wohnbebauung zur Rechten gelangt man unaufhaltsam in Richtung südlicher Beobachtungsturm und landet dabei unweigerlich – nachdem man die Krötenschutzgräben der Rieselfelder Windel passiert hat – wieder im Schilf.

Auch hier sind Rohrammer und Teichrohrsänger vom Boden aus zu hören und zu sehen. Klettert man auf den zugänglichen Südturm hat man im Frühjahr eine gute Sicht auf die zentrale Gewässerkette.

Diese sind nicht so groß wie die Schönungsteiche, dafür aber immer – neben brütenden Lachmöwen – für eine Entenbeobachtung gut. Schnatter-, Löffel- oder Krickente können mit entsprechenden Spektiven oder Ferngläsern beobachtet werden.

Fotografisch sind diese Tiere aus dieser Entfernung mit meinen 670mm allerdings hoffnungslos zu klein auf dem Sensor der Kamera. Dafür kann man mit Glück Baumfalken und Weißstörche antreffen. Erstere kann man mit mehr, letztere mit weniger Geschick auch gut fotografieren.

Ein paar Schritte weiter ist man dann an einem weiteren meiner Lieblings-Hotspots: Der Rundweg verläuft hier parallel zur Buschkampstraße, aber durch Heckengewächse gut abgeschottet. Hier sind immer Libellen aber besonders Schmetterlinge anzutreffen. Von A wie Admiral bis Z – naja, sagen wir – W wie Waldbrettspiel kann einem einiges vor die Linse fliegen.

Wer die Schmetterlingsfotografie üben will, der ist hier in den Hochsommermonaten richtig. Dann wimmelt es hier von Landkärtchen in der Sommergeneration.

Auch wenn man sich hier Stunden aufhalten könnte: Es muss weiter gehen. Auch wenn man die Niederheide schon fast wieder erreicht hat. Aber einen weiteren besonderen Platz – mein Hotspot Nummer drei – gilt es noch „mitzunehmen“: Den kleinen Froschteich direkt an der Niederheide.

Hier sind schon so manch schöne Bilder entstanden. Zum Beispiel die Serie der fütternden Kohlmeise, der fischfressende Kormoran oder diverse Makros von Großlibellen wie dem Vierfleck.

Leider wird diese Stelle gerne von Hundehaltern angefahren, weil man hier auch mal schnell und gut „Gassi gehen“ kann. Ich will es keinem verübeln – alle sind hier nett und freundlich, und so bin ich es auch. Bei etwas schlechterem Wetter oder zu sehr frühen oder späten Tageszeiten hat man aber einfach eher seine Ruhe.

Am Ende der Erzählung

Damit ist man auch am Ende des südlichen Rundweges angekommen. Für manchen kann es aber auch der Anfang durch ein tolles Naturschutzgebiet sein.

Ich hoffe das diese letzten Zeilen auch noch gelesen werden, und ich nicht unnötig Missverständnisse und Leseabbrüche erzeugt habe.

Wer denn bisher durchgehalten hat, der kriegt jetzt natürlich noch die versprochenen Links. Zum Beispiel auf die Seiten der Stiftung Rieselfelder, die dieses Naturschutzgebiet überhaupt erst möglich gemacht haben. Aber auch auf die Seiten der Biologischen Station Bielefeld/Gütersloh. Ohne den Einsatz dieser „guten Leute“ – ja, manch einer verdient auch ein paar Euro im Angestelltenverhältnis – wäre das, was möglich wurde heute wohl längst nicht mehr.

Aber auch allen anderen Freunden, Förderern, Stiftern, wachsamen Augen und anderen Naturliebhabern gilt mein Dank. Danke das es die Rieselfelder Windel gibt!

Nützliche Links

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8 Kommentare
  1. Jürgen Siggemann

    19. Juli 2016 Antworten

    Hi Timo,
    sehr schöner Bericht, da werden meine Frau und ich bestimmt diesen Sommer mal auf Fototour gehen! Deine tollen Fotos verfolge ich ja schon länger in der FB-Gruppe "Kreis Gütersloh und OWL in Fotos und Bildern".
    Wir sind ansonsten oft am Steinhorster Becken, da hat man ähnlich schöne Motive und liegt von uns aus wesentlich näher.
    LIebe Grüße aus Paderborn,
    Jürgen

    • Timo

      19. Juli 2016 Antworten

      Hi Jürgen,
      erstmal: Danke! Das Steinhorster Becken werde ich mir auch unbedingt nochmal ansehen müssen. Habe bisher nur Gutes gehört.
      Die besten Grüße aus Bielefeld zurück an Dich und Deine Frau!

  2. Jana

    16. August 2015 Antworten

    Hallo Timo,
    habe heute zu deinem Blog gefunden und mir hauptsächlich die Rieselfelder Windel Doku angeschaut bzw. durchgelesen. Ein sehr schöner und ausführlicher Bericht, alle Achtung. Man merkt, mit wieviel Herzblut du hinter der Thematik steckst. Ich wünsche dir weiterhin viele schöne Streifzüge durch die Natur mit allerhand tierischen Begegnungen und damit fotografischen Augenblicken.
    Viele Grüße, Jana

    • Timo

      17. August 2015 Antworten

      Hi Jana!
      Danke für die lieben Wünsche!

      LG

  3. Maria

    29. Juli 2015 Antworten

    Der Worte von Ruth kann ich mich sofort anschließen.Prima beschrieben,Timo.
    Und danke für deinen Eintrag bei uns.
    LG Maria

    • Timo

      29. Juli 2015 Antworten

      Hi!
      Danke Maria. Immer wieder gerne ;)

      LG
      Timo

  4. Ruth

    19. Juli 2015 Antworten

    Das nenne ich mal Naturschutz-Arbeit.
    Es ist ein herrlicher, ansprechender und interessanter Bericht. Da muss man Verlangen bekommen, die Rieselfelder zu besuchen.
    LG Ruth

    • Timo

      19. Juli 2015 Antworten

      Danke Ruth! Wenn Du mal in die Nähe kommen solltest, melde Dich gern :)
      LG Timo

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